Zuhören


Klick (linke Maustaste)


Lernen, geduldig zuzuhören,
zuzuhören, ohne an die Antwort zu denken,
zuzuhören, bis der andere zu reden aufgehört hat
und plötzlich nichts mehr da ist
als eine gute gedankenvolle Stille
und wie eine Sonne darin
dies warme Gefühl des Verstehens.
Nur dann unterbricht die Antwort das Gespräch nicht.
Nur dann, wenn beide Zuhörer geworden sind,
ergibt die Antwort sich wirklich wie von selbst.



von: Werner Sprenger



Klick (linke Maustaste)

Hören ist schwieriger als reden,
doch nur wer hören kann,
vermag auch wahrhaft zu sprechen.
Hören erfordert zumal,
dass ich leer bin von mir selbst.


Von: Klaus Hemmerle




höre ich wirklich zu?

Nur wer sich innerlich auftut ,
und schweigen kann,
ist ein wahrhaft Hörender.
Und oft sind wir als Hörende,
die eigentlich Beschenkten.


Von: Georg Moser




höre ich wirklich zu?

Vasudeva hörte mit großer Aufmerksamkeit zu. Alles nahm er lauschend in sich auf, Herkunft und Kindheit, all das Lernen, all das Suchen, alle Freude, alle Not. Dies war unter des Fährmanns Tugenden eine der größten: er verstand wie wenige das Zuhören. Ohne daß er ein Wort gesprochen hätte, empfand der Sprechende, wie Vasudeva seine Worte in sich einließ, still, offen, wartend, wie er keines verlor, keines mit Ungeduld erwartete, nicht Lob noch Tadel daneben stellte, nur zuhörte. Siddhartha empfand, welches Glück es ist, einem solchen Zuhörer sich zu bekennen, in sein Herz das eigene Leben zu versenken, das eigene Suchen, das eigene Leiden.


Aus: "Siddhartha" von Herrmann Hesse



Warum sind Sie hier und hören mir zu? Haben Sie schon einmal bedacht, warum Sie überhaupt Leuten zuhören? Und was bedeutet es, jemand zuzuhören? Sie alle sitzen hier vor einem, der spricht. Hören Sie zu, um etwas aufzunehmen, das Ihre eigenen Gedanken bestätigt, mit ihnen übereinstimmt, oder hören Sie zu, um zu entdecken? Sehen Sie den Unterschied? Zuhören, um zu entdecken, unterscheidet sich wesentlich vom Zuhören, um das eigene Denken bestätigt zu finden. Falls Sie nur hier sind, um Bestätigung zu erhalten, um im eigenen Denken unterstützt zu werden, hat Ihr Zuhören eine ziemlich geringe Bedeutung. Wenn Sie aber zuhören, um etwas herauszufinden, dann ist Ihr Geist frei und an nichts gebunden; er ist sehr wach, geschärft, lebendig, forschend, neugierig und deshalb fähig zu entdecken. Ist es also nicht sehr wichtig festzustellen, warum Sie zuhören und was Sie hören ?

Haben Sie jemals sehr stillgesessen, ohne Ihre Aufmerksamkeit auf etwas zu fixieren, ohne eine Bemühung, sich zu konzentrieren, aber mit einem sehr ruhigen, wirklich stillen Geist? Dann hören Sie alles, nicht wahr? Sie hören die weit entfernten Geräusche genauso wie die näherliegenden und jene, die ganz nahe sind, die unmittelbaren Geräusche – was heißt, dass Sie in Wirklichkeit alles hören. Ihr Geist ist nicht auf einen kleinen engen Kanal beschränkt. Falls Sie auf diese Weise zuhören können, auf leichte Weise, ohne Anstrengung werden Sie feststellen, dass eine ungewöhnliche Veränderung in Ihnen stattfindet, eine Veränderung, die ohne Ihr Zutun kommt, ohne dass Sie darum bitten; und in dieser Veränderung liegt große Schönheit und tiefe Einsicht.

Versuchen Sie es einmal, versuchen Sie es jetzt. Während Sie mir zuhören, hören Sie nicht nur auf mich, sondern auf alles um Sie herum. Hören Sie auf all die Glocken, die Glocken der Kühe und der Tempel; hören Sie auf den weit entfernten Zug und die Karren auf der Straße; und falls Sie dann noch näher kommen und auch mir zuhören, werden Sie herausfinden, dass im Horchen eine große Tiefe ist. Um das zu tun, müssen Sie aber einen sehr ruhigen Geist haben. Falls Sie wirklich zuhören wollen, ist Ihr Geist auf ganz natürliche Weise still, oder nicht? Sie sind dann nicht durch irgend etwas abgelenkt, was in der Nähe passiert; Ihr Geist ist still, weil Sie intensiv auf alles hören. Falls Sie auf diese Weise mit Leichtigkeit horchen können, mit einem bestimmten Glücksgefühl, werden Sie feststellen, dass eine erstaunliche Verwandlung in Ihrem Herz, in Ihrem Gemüt stattfindet – eine Transformation, an die Sie nicht gedacht haben und die Sie auch in keiner Weise bewirkt haben.


Aus: „Antworten auf Fragen des Lebens“ von Krishnamurti