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Das kleine Archiv


Archiv. www.neu-bybarny.de



Eine Schule für Ärzte in der Mission          
(17. 05. 2002 Mainpost/Volksblatt )

Würzburg. Auf dem Würzburger Mönchberg gibt es in diesem Jahr gleich zwei Jubiläen zu feiern: Am 3. Dezember 2002 wird das Missionsärztliche Institut 80 Jahre alt. Und am 14. Juli kann die Missionsärztliche Klinik auf 50 Jahre erfolgreiche Tätigkeit zurückblicken. Beide Institutionen sind heute aus Würzburg nicht mehr wegzudenken und weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt und wirksam.

Doppeljubiläum: Das Missionsärztliche Institut wird 80, die Klinik 50 Jahre alt

Die Anfänge des Instituts liegen in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg: Nach langen Vorverhandlungen konnte 1922 in Würzburg das "Missionsärztliche Institut" gegründet werden. Hauptziel der nach dem Vorbild des evangelischen Partnerinstituts in Tübingen konzipierten Neugründung war die "fachgemäße Ausbildung und missionarische Vorbereitung katholischer Ärzte und Ärztinnen sowie Studenten und Studentinnen der Medizin". Hierzu wurden Kurse im Juliusspital angeboten, dessen Oberpflegamt und Ärzte das Projekt mitgeplant hatten und auch nach der Gründung förderten.

Das erste, angemietete Studentenwohnheim in der Gerbrunner Straße konnte schon bald durch einen modernen Neubau auf dem Mönchberg ersetzt werden, in dessen Nachbarschaft ein Jahr später die Mariannhiller Missionare das Pius-Seminar errichteten. Im Institut wohnten die Mitglieder des "Bundes Deutscher Missionsmediziner", die sich durch einen Eid vor dem Bischof verpflichteten, zehn Jahre lang als Ärzte in der Mission tätig zu werden. Schon bald konnten die ersten Missionsärzte, darunter auch viele Frauen, ausgesandt werden.

Lazarett und Kaserne

Als im Zweiten Weltkrieg der Vorlesungsbetrieb an der Würzburger Universität teilweise eingestellt wurde und die Mediziner nach München wechselten, wurde das Gebäude beschlagnahmt und zunächst als Militärlazarett, später als Kaserne einer Sanitäts-Abteilung verwendet. 1939 beschlossene Pläne zur Errichtung einer Tropenklinik als "Kolonial-Krankenhaus" wurden nicht verwirklicht.

Den Bombenangriff vom März 1945 überstand das Institutsgebäude nahezu unbeschadet und nahm bis 1952 die ausgebombte, zunächst nach Rimpar ausgelagerte Chirurgische Klinik des Juliusspitals unter der Leitung von Obermedizinalrat Dr. Eduard Bundschuh auf.

Mit der absehbaren Rückkehr der Chirurgischen Klinik in die wiederaufgebauten Spitalsgebäude stellte sich die Frage nach der weiteren Nutzung des Baues. Die Mitgliederversammlung beschloss, die Krankenhauseinrichtung zu übernehmen und eine eigene Klinik zu beginnen, in der Missionsmediziner auf ihre künftige Aufgabe vorbereitet werden könnten.

Leiter war der "Pater Direktor"

Dr. Bundschuh, bereits im Pensionsalter, blieb am Mönchberg und baute mit seinen Mitarbeitern eine Chirurgische Abteilung auf. Im Folgejahr entstanden eine Medizinisch-Tropenmedizinische sowie eine Urologische Abteilung. Den Pflegedienst übernahm, bis 1957 unter der Anleitung erfahrener Oberzeller Schwestern, die "Gemeinschaft der Missionshelferinnen", die sich 1953 als Säkularinstitut konstituierten und eine Aussendung in die Mission anstrebten. Daher wurde bei der zur gleichen Zeit erfolgten Gründung der Krankenpflege eine dreijährige Ausbildung vorgesehen, um eine weltweite Anerkennung des Abschlusses zu gewährleisten.

Unter der väterlich-strengen Leitung des "Pater Direktor", zunächst P. Dr. Friedrich Jahn, dann P. Eugen Prucker und später P. Urban Rapp, wuchs die Klinik rasch und musste um immer neue Anbauten erweitert werden. 1962 wurde die Gynäkologische Klinik und 1965 die Hebammenschule eröffnet, um Missionsärzte und Missionsschwestern auf ihre geburtshilflich-gynäkologischen Aufgaben vorzubereiten. 1974 entstand eine eigenständige Anästhesieabteilung, 1976/78 eine Röntgenabteilung und 1978 eine Intensivstation. Seit 1978 gibt es die Tropenmedizinische Abteilung, die auch überregionale Aufgaben wahrnimmt.

Mit der Gründung einer Klinik GmbH 1994 wurde die schon 1908 als Säuglingsheim gegründete und ab 1922 zu einem Kinderkrankenhaus erweiterte Kinderklinik am Mönchberg als Pädiatrische Abteilung in die Missionsärztliche Klinik integriert. Die GmbH wird seither durch einen Geschäftsführer vertreten, während das Institut von einem Gremium geleitet wird..

Andreas Mettenleiter



"Die Liebe Gottes an jedes Bett tragen"

(Mainpost/Volksblatt 22.05.2002)

Bischof Julius Döpfner weihte vor 50 Jahren die Missionsärztliche Klinik ein.

Würzburg. Die Nachkriegszeit war durch eine tief greifende Identitätskrise des Missionsärztlichen Instituts geprägt. Die politischen und die wirtschaflichen Folgen des II. Weltkrieges, kritische, teils offen ablehnende Stimmen zur in der Öffentlichkeit und die Situation des Neubeginns setzten eine Diskussion um zeitgemäße Formen missionsärztlicher Tätigkeit in Gang. Als sich 1951 die Rückkehr der Chirurgischen Abteilung des Juliuspitals in die Innenstadt abzeichnete, wurde der Weg frei für ein eigenes Krankenhaus.      
Der damalige Direktor des Instituts Pater Dr. med Friedrich Jahn MSC, hatte sowohl ein theologisches als auch ein medizinisches Studium abgeschlossen. Er setzte sich tatkräftig für die Ausbildung und Aussendung nicht nur von Ärzten, sondern auch von Krankenschwestern ein, wie sie etwa das in Planung befindliche Missionshospital in Shirampur in der Jesuitenprovinz Poona/Indien erforderte. Eine Finanzierungszusage durch die päpstlichen Missionswerke schuf die Grundlage für die nötigen Umbaumaßnahmen des Institutsgebäudes, die rund eine Million Mark verschlangen und die Anfügung des Annexbaues im Osten mit einschlossen.    
Am 13. Juli 1952 weihte Bischof Julius Döpfner die Klinik mit einem Pontifikalamt in der Mariannhiller Herz-Jesu-
Kirche ein und segnete die neuen Räume der Klinik. Zahlreiche geistliche und weltliche Würdenträger, darunter der Erzbischof von Pakistan, ehemalige Missionsärzte und die damals knapp 50 Medizinstudenten des Institutes hatten sich zu der Feier eingefunden. Das neue Krankenhaus sollte nicht nur der Ausbildung dienen, sondern "ein Ort sein, wo die Liebe Gottes an jedes Bett getragen werde", betonte der spätere Kardinal Döpfner in seiner Festpredigt.      
Zwar war die neue Klinik ursprünglich als "Tropenkrankenhaus" geplant, das in den Missionsgebieten gewonnene Erkenntnisse in enger Zusammenarbeit mit der Universität auch wissenschaftlich auswerten sollte, doch wurde bereits bei der Einweihung deutlich, dass eine solche Spezialklinik zum damaligen Zeitpunkt noch nicht rentabel arbeiten könne. Die geplante innere Abteilung sollte eine Unterabteilung für Tropenmedizin erhalten und wie die beiden anderen Abteilungen Chirugie und Urologie den Kranken Würzburgs und des Umlandes offenstehen.    
Die beiden anderen großen Krankenhäuser - Universitätsklinik und Juliusspital - sahen die Neugründung zunächst kritisch. Befürchtungen, es würde eine Konkurrenzsittuation entstehen, erwiesen sich in der Folgezeit jedoch als unbegründet. Drei Tage nach der Einweihung schrieb der neue chirurgische Chefarzt Dr. Eduard Bundschuh, der nach dem Auszug aus der Spitalklinik den Klinikbetrieb weitergeführt hatte, an das Oberpflegamt des Juliusspitals: " Beide Krankenhäuser fühlen sich zusammengehörig und schicken sich ja auch die Kranken, wenn sie selbst voll belegt sind, gegenseitig zu. Schöner hätte das Verhältnis ja nicht werden können."  
Bundschuh, der schon die Gründung des Institutes in den 1920er Jahren nachhaltig gefördert hatte, trug entscheidend dazu bei, dass die schwierige Übergangsphase glückte. In seinem langjährigen Oberarzt Dr. Hans Ott und dem eingespielten Assistententeam hatte er auch für die Zeit nach seinem Rücktritt vorgesorgt. Über Patientenmangel konnte man sich nicht beklagen. Die vielgerühmten "Vierbettzimmer" mussten bald als "Sechsbettzimmer" belegt werden.    
Bereits 1952 konnte die Chirurgie  um eine Urologische Abteilung unter Dr. med Hans Gumbrecht und um eine Tropenmedizinische Abteilung unter Dr. med. Franz Wegener ergänzt werden. Zu diesem Zeitpunkt war auch der Bau des neuen Schwesternwohnheims abgeschlossen.        
Viele Annehmlichkeiten und Selbstverstädlichkeiten des heutigen Krankenhausbetriebees gab es damals freilich noch nicht. Ein einziger Aufzug versorgte das ganze Krankenhaus, mittags mussten die riesigen Kochtöpfe auf Stationen gebracht werden, und da die Betten noch keine Räder hatten, wurden die Patienten auf dem Weg zur Untersuchung oder in den Operationssaal jedes mal auf eine Rolltrage umgelagert.      

Andreas Mettenleiter
                                             


 
Für Trost am Krankenbett blieb Zeit
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(Mainpost/Volksblatt 23.05.2002)

Eigene Krankenpflegeschule am Missio bildete Schwestern für Klinik und Mission aus

Würzburg. Mit dem Auszug der Chirurgischen Klinik des Juliusspitals verließen auch die bewährten Pflegekräfte, die Schwestern von der Kongregation der Hl. Kindheit Jesu, den Mönchberg. Ein halbes Dutzend der tüchtigen Oberzellerinnen blieb jedoch noch bis 1957, um als Stations- und Funktionsschwestern beim Aufbau einer eigenen Schwesternschaft zu helfen, die auch für den Missionsdienst ausgebildet werden sollte.

Unter der Leitung von Sr. Ariberta entstand eine Krankenpflegeschule, in der die jungen Pflegeschülerinnen von den Ärzten der Klinik unterrichtet wurden. Die praktische Ausbildung erfolgte dann auf Station unter Anleitung der erfahrenen Ordensschwestern.

Sr. Ehrenfrieda Wich, die damals als 30-Jährige die 17- oder 18-jährigen Lernschwestern unter ihre mütterliche Obhut nahm, kann sich noch gut an die ersten Jahre der Klinik erinnern: "Trotz vieler und körperlich beschwerlicher Arbeit gab es weniger Hektik als heute; es blieb viel Zeit für Gespräche und persönliche Zuwendung für die Kranken. Die Klinik wurde "wie ein Familienbetrieb" geführt. Da die Technik im Pflegebereich damals noch wenig fortgeschritten war, wurde viel Wert auf die Grundpflege, die genaue Beobachtung der Kranken und eine verständnisvolle Patientenführung gelegt."

Die Ordensschwestern wohnten anfangs im Dachgeschoss des Klinikgebäudes und waren damit Tag und Nacht erreichbar. Sterbende begleitete eine Sitzwache mit Gebeten; abends fand bei geöffneten Türen der Krankenzimmer im Gang eine Abendandacht mit geistlichen Liedern statt.

Plätzchen aus der Klinikküche

In der Stationsküche wurden zur Weihnachtszeit schon einmal Plätzchen gebacken und beim Nikolausumgang mit einem als Nikolaus verkleideten Mariannhiller Missionar an die Kranken verteilt.

1953 entstand die "Gemeinschaft der Missionshelferinnen", die in unmittelbarer Nähe zur Klinik im Haus St. Raphael wohnten. Dort wurde auch die Krankenpflegeschule untergebracht. Eine Kommission erarbeitete mit Pater Direktor Eugen Prucker OSA die Statuten der Gemeinschaft, die Bischof Julius Döpfner mündlich bestätigte.

Bereits 1952 wurden fünf Missionsschwestern nach Indien ausgesandt. Sie schlossen sich später den "Missionshelferinnen" an. 1954 verpflichteten sich die ersten elf Frauen, nach den Evangelischen Räten (Armut, Ehelosigkeit, Gehorsam) in der Gemeinschaft zu leben.

Nach dem Weggang der Oberzeller Schwestern 1957 übernahmen die "Missionshelferinnen" die Leitung der Krankenpflegeschule und führten die Berufsfachschule bis 1987. Hier sind seit der Gründung 1952 bis zum heutigen Tag mehr als 700 Pflegekräfte ausgebildet worden. Um den Anforderungen in den britischen oder ehemals britischen Mandatsgebieten zu genügen, in denen sich die Missionsgebiete befanden, war die Ausbildung von Anfang an dreijährig.

Mit der Gründung der Klinik GmbH 1994 und der Integration der Mönchbergklinik wurde eine Kooperation der beiden Berufsfachschulen für Kranken- und für Kinderkrankenpflege vereinbart.

1962 bestätigte Bischof Josef Stangl die Statuten der "Gemeinschaft der Missionshelferinnen" schriftlich. Ein männliches Gegenstück, die 1957 gegründete "Gemeinschaft St. Johannes" für Handwerker und Krankenpfleger, bestand nur wenige Jahre.

Seit 1976 Säkularinstitut

Seit den 50er Jahren haben die Missionshelferinnen Gesundheitsprojekte in Indien, Rhodesien/Simbabwe, Ghana, Namibia, Kongo/Zaire und Pakistan übernommen. 1967 wurden auf dem gemeinschaftseigenen Seehof bei Bad Kissingen die ersten Mütterkuren in Zusammenarbeit mit dem Müttergenesungswerk durchgeführt. 1976 wurde die Gemeinschaft durch Bischof Josef Stangl als Säkularinstitut errichtet. 1994 erfolgte die Loslösung vom Missionsärztlichen Institut.

Von den heute 110 Mitgliedern der "Missionshelferinnen" gehören 30 Inderinnen der Gemeinschaft an. In Indien sind neben Krankenschwestern vor allem auch Sozialarbeiterinnen und Lehrerinnen tätig, die Krankenhäuser, Leprastationen, Bildungseinrichtungen und Sozialprojekte betreuen.

Andreas Mettenleiter



Missionsmediziner bei der Fronleichnamsprozession.

 
Missionsmediziner 
1929 - 1937

bei der Würzburger Fronleichnamsprozession 

Foto: Archiv Missionsärztliches Institut

1928 Fahne der Missionsärzte geweiht
Mainpost/Volksblatt 28.05.2002 

Würzburg. Über ihre Fronleichnamsprozession ließen die Würzburger zu allen Zeiten nichts kommen: Honoratioren aus Kirche und Politik, Abordnungen der Vereine und Verbände, Militär der Würzburger Garnison in Gardeuniformen und nicht zuletzt auch die Chargierten der katholischen Studentenverbindungen fanden sich zu einem farbenprächtigen Zug zusammen.

Auch Missionsmediziner waren 1929-1937 bei Fronleichnamsprozessionen dabei

Schon tags zuvor veröffentlichten die Zeitungen die genaue Zugordnung und die einzelnen Stationen. In den Jahren zwischen 1929 und 1937 beteiligte sich auch der "Bund Deutscher Missionsmediziner" an der traditionellen Würzburger Fronleichnamsprozession.

Weiße Schirmmützen, dunkle Jacken, weiße Hosen - so zeigt ein historisches Foto die Medizinstudenten und jungen Ärzte, die sich 1922/23 als Gemeinschaft künftiger Missionsmediziner zusammengefunden hatten. Zunächst im Gerbrunner Weg im alten "Siechenhaus" untergebracht - die Damen wohnten später in der Friedenstraße - konnte 1928 das Missionsärztliche Institutsgebäude in der Salvatorstraße 7 als Studentenwohnheim bezogen werden. Im gleichen Jahr wurde auch die Fahne geweiht, die bei offiziellen Anlässen wie dem Fronleichnamszug mitgeführt wurde. Die goldbestickte Bundesfahne mit der prächtigen Fransenborde hat sich im Archiv des Missionsärztlichen Instituts unversehrt erhalten.

Auf der Vorderseite erkennt man den Äskulapstab und das Kreuz vor einer Trikolore; die Rückseite zeigt ein Dreieckswappen vor weißem Grund. Die Farben der Trikolore sind mit Bedacht gewählt: Grün symbolisiert die Farbe der Hoffnung (die Medizinerfarbe), Weiß-Gelb als päpstliche Farbe die Zugehörigkeit zur katholischen Kirche und Orange die Tätigkeit in den tropischen Ländern.

Die Statuten des Bundes, der mit Senior, Consenior und Sekretär wie die Studentenverbindungen chargierte wählte und Konvente abhielt, stellten hohe Anforderungen an die Mitglieder; manches erinnert beinahe an die Regeln eines Mönchsordens. Pater Christoph Becker SDS, der geistige Vater des Instituts, der an die freie Entscheidung, das studentische Ehrgefühl und die unverdrossene Mitarbeit der Jungmediziner appellierte, forderte ein gemeinsames Morgen- und Abendgebet in der Institutskapelle, tägliche Betrachtung und Schriftlesung sowie eine geistliche Tischlesung bei den Mahlzeiten nebst wöchentlichen asketischen Vorträgen. Außerdem waren einmal jährlich Exerzitien vorgesehen.

Neben ihrem medizinischen Fachstudium absolvierten die künftigen Missionsmediziner philosophische und missiologische Kurse sowie eine tropenmedizinische Sonderschulung.

Dafür fanden die Mitglieder im neuen Institutsgebäude optimale Studienbedingungen vor: Abgesehen von ihrer "Bude" standen ihnen eine gut bestückte Institutsbliothek mit Lesesaal, ein großzügig ausgestattetes Wohnzimmer, ein Musiksaal mit Konzertflügel, ein Raucherzimmer, ein chemisches Laboratorium und sogar ein eigener Turnsaal mit Kegelbahn zur Verfügung.

Nach der Beschlagnahmung der Gebäude, die später als Lazarett und Krankenhaus dienten, durch die Wehrmacht mussten die Studenten ausziehen. Das 1930 errichtete Wohnheim für weibliche Institutsmitglieder wurde nach dem Krieg wiederaufgebaut und weitergeführt.

Für Männer entstand 1957/58 in der Benediktstraße das Christophorushaus für etwa 80 Ärzte und Studenten. Chefarzt Prof. Dr. Klaus Fleischer, der Anfang der 60er Jahre dort wohnte, erinnert sich an ein aktives Studentenleben mit regelmäßigen Gottesdiensten und gemeinsamer Komplet freitagabends. Anklänge an "alte Burschenherrlichkeit" waren damals verpönt: Immerhin wurden die "Alten Herrn", die Missionsärzte, zu denen man respektvoll empor sah, als "Alte Docs" angesprochen, während die Jungen sich als "Missionsmediziner" bezeichneten, ohne dass Statuten oder eine Konstitution bestanden hätten.

Andreas Mettenleiter
         
 


Schwester Pirminiana bei den Kindern.
Foto: Röder
 

Die Wurzeln der Mönchberg-Klinik, die 1994 als pädiatrische Abteilung Teil der Klinik GmbH wurde, reichen sehr viel weiter als die des Missionsärztlichen Institutes: Bereits 1907 wurde das heutige Kinderkrankenhaus als Säuglingsheim gegründet.

Vom Säuglingsheim zur Kinderklinik
Mainpost/Volksblatt 28.05.2002 

50 Jahre Missionsärztliche Klinik in Würzburg.
Die Mönchberg-Klinik

Die Initiative hierzu ging vom Katholischen Deutschen Frauenbund der Stadt Würzburg aus, der eine "Kinderbewahranstalt" für gesunde und kranke Kinder aus den bevölkerungsreichen Stadtteilen Lehnleite/Mönchberg-Heimgarten schaffen wollte. Dank großzügiger Spenden "gütiger und hochgesinnter Wohltäter" gelang es, auf dem von der Stadtgemeinde Würzburg zur Verfügung gestellten Areal einen Fachwerkbau mit rund 100 qm Grundfläche zu errichten, in dem neben einem Saal für die "Anstaltskinder" auch ein Raum für die "Wintersuppenanstalt" vorgesehen war. Die pflegerische Betreuung der Kinder übernahmen schon damals drei Schwestern der Kongregation der Töchter des Allerheiligsten Erlösers ("Ebracher Schwestern"). Seit 1916 wurden hier außerdem regelmäßig "Säuglingspflegekurse" abgehalten.

1922 entstand aus der "Kinderbewahranstalt", die während des Ersten Weltkriegs und der ersten Nachkriegsjahre in eine schwierige finanzielle Situation gekommen war, ein Kinderkrankenhaus. Aus dieser Zeit hat sich noch ein damals hochmodernes "Säuglings-Wärmbettchen" erhalten. Die Klinik entwickelte sich unter der Leitung von Dr. Helmut Zoepffel, der bis dahin Assistenzarzt an der Univ.-Kinderklinik im Juliusspital gewesen war, so gut, dass bereits 1924/25 ein zweites Gebäude nötig wurde. Hier wurden unter anderem die Unterrichts-, Wohn- und Schlafzimmer der von den Ordensschwestern gegründeten staatlich anerkannten Pflegerinnenschule untergebracht, die noch heute als Berufsfachschule für Kinderkrankenpflege fortbesteht.

Beim Bombenangriff 1945 wurden die Gebäude weitgehend zerstört: Nur dem beherzten Eingreifen der Schwestern war es zu verdanken, dass die 75 damals in der Klinik betreuten kleinen Patienten gerettet und in die Schule von Frickenhausen evakuiert werden konnten. Als auch diese Notunterkunft in die Kampflinie geriet, erlebten die Schwestern mit ihren Schützlingen bange Stunden in einem Weinbergskeller. Ende Mai 1945 konnte die Klinik in die notdürftig wiederhergestellten Gebäude am Mönchberg zurückkehren. Am Josefstag 1947 war der Wiederaufbau abgeschlossen. Das Krankenhaus konnte nun offiziell als staatlich anerkannte Kinderklinik wiedereröffnet werden.

Nach dem Tod ihres Mannes übernahm Frau Dr. Marianne Zoepffel die ärztliche Leitung des Hauses. 1955/56 entstand ein neues Schülerinnenwohnheim zur Unterbringung der Lernschwestern der Pflegerinnenschule.

Mit der Erstellung eines Erweiterungsbaus 1964 unter Chefarzt Dr. Hans Neumayer war auch eine Modernisierung des Klinikkomplexes verbunden. Zu diesem Zeitpunkt wurden rund 140 Kinder betreut, davon ca. 110 kranke und etwa 35 Pflegekinder. In der "Milchküche" im Kellergeschoss wurden täglich 700 bis 800 Fläschchen zubereitet.

Zwanzig Jahre später, unter Chefarzt Dr. Gert Fricke, konnte die Klinik durch eine Generalsanierung sowie das großzügige Neubauprojekt der Jahre 1985 bis 1992, das die bestehenden Gebäude zu einem großen Krankenhauskomplex zusammenfasste, ihre Bestandsfläche fast verdoppeln. Heute verfügt die Kinderklinik am Mönchberg über 70 Planbetten auf fünf Krankenstationen, darunter die Station "Tanzbär", auf der langzeiterkrankte und zum Teil schwerstbehinderte Kinder betreut werden. Pro Jahr werden rund 2500 Kinder stationär in die Klinik aufgenommen. 1986 wurden die letzten Erlöser Schwestern in das Mutterhaus zurückberufen. Unter den Mitarbeitern befinden sich rund 40 Schwesternschülerinnen, die eine dreijährige Ausbildung zur Kinderkrankenschwester durchlaufen.

1994 hat sich die Kinderklinik am Mönchberg mit der Missionsärztlichen Klinik zu einer Klinik gGmbH zusammengeschlossen und arbeitet mit der geburtshilflichen Abteilung wie auch der Krankenpflegeschule des Missio eng zusammen.

Andreas Mettenleiter

       


Lassa-Fieber-Patient
der spektakulärste Fall

Mainpost/ Volksblatt 02.06.2002 

würzburg. Am Schluss unserer Serie zum Würzburger "Missio" steht die wechselvolle Geschichte der Tropenmedizinischen Abteilung und das Lehrkrankenhaus der Universität.

50 Jahre Missionsärztliche Klinik in Würzburg.

Nur wenige Monate nach der Gründung des Missionsärztlichen Instituts, im Sommer 1923, fanden die ersten medizinischen Kurse für Missionare im Juliusspital statt, für die schon bald Prof. Peter Mühlens vom Tropeninstitut in Hamburg als Dozent gewonnen werden konnte. 1938/39 bereits beschlossene Pläne, ein "Kolonialkrankenhaus" zur Behandlung von Tropenkrankheiten zu errichten, kamen wegen des Krieges nicht zur Ausführung.

Auch das Vorhaben, die 1952 eingeweihte Missionsärztliche Klinik als Tropenkrankenhaus zu führen, ließ sich nicht realisieren. Zwar erhielt die 1953 besetzte Innere Abteilung unter Dr. Dr. Franz Wegener, der selbst eine qualifizierte tropenmedizinische Ausbildung in Hamburg absolviert hatte, eine Unterabteilung Tropenmedizin, der auch die staatliche Gelbfieberimpfstelle zugeordnet wurde, doch spielten die Vor- und Nachsorgeuntersuchungen von Missionaren und Missionsärzten sowie die Behandlung von Tropenkrankheiten damals eine eher untergeordnete Rolle. Mit dem Deutschen Aussätzigen Hilfswerk (DAHW) bestand allerdings von Anfang an eine enge Zusammenarbeit.

Mitglied des DAHW ist auch Prof. Dr. Klaus Fleischer, der 1978 erster Chefarzt einer eigenständigen Tropenmedizinischen Abteilung im Missio wurde. Er konnte bei den seit 1974 vom Deutschen Katholischen Missionsrat organisierten Tropenkursen auf eigene praktische Erfahrungen als Missionsarzt in Nigeria zurückgreifen. Das Fortbildungsprogramm für Ordensschwestern und Missionsbrüder umfasste nicht nur die Erkennung und Behandlung infektiöser und parasitärer Erkrankungen der Tropen, sondern auch praktische Notfall-Geburtshilfe.

Diese Kurse wurden 1981 abgelöst durch eintägige Seminare für Urlauber, in denen die wichtigsten Grundsätze der Krankheitsvorsorge und des Selbstschutzes vermittelt werden. An ein breites Publikum richtete sich auch eine öffentliche Vorlesungsreihe des Missionsärztlichen Instituts, die sich mit Themen der Dritten Welt befasste.

Außerdem werden für Studenten der Medizin und der Geographie regelmäßig Vorlesungen und Praktika zur Tropenmedizin angeboten sowie in Zusammenarbeit mit Entwicklungshilfeorganisationen, staatlichen Einrichtungen und Pharmafirmen spezielle Fortbildungskurse für praktische Mediziner, Bundeswehr-Ärzte und Entwicklungshelfer durchgeführt.

Neben diesen Ausbildungs- und Aufklärungsaufgaben steht die Behandlung von Kranken und die Betreuung der Impfambulanz. Nur drei deutsche Tropeninstitute - Hamburg, Tübingen und Würzburg - können stationäre Patienten aufnehmen: In der Missionsärztlichen Klinik sind hierfür acht Planbetten im Rahmen der Inneren Abteilung vorgesehen. Zwar sind spektakuläre Fälle wie der einer jungen Afrika-Reisenden mit Lassa-Fieber zum Glück sehr selten, doch wird derzeit eine prästationäre tropenmedizinische Isolierstelle mit zwei Betten errichtet, in der Patienten mit hoch ansteckenden Erkrankungen akut beobachtet werden können, bevor sie im Bedarfsfall in eine Spezialklinik verlegt werden. Diese Einrichtung soll auch für das Training von Ärzten und Pflegepersonal genutzt werden.

Rund 1600 Patienten stellen sich jährlich mit Gesundheitsproblemen in der Tropenambulanz vor; dazu gehören nicht nur Touristen, Entwicklungshelfer oder Asylbewerber, die aus tropischen Ländern kommen, sondern auch HIV/AIDS-Patienten aus der Region. Dazu kommen rund 3000 Impfungen, die in Zusammenarbeit mit den Hausärzten durchgeführt werden.

Die vier Arbeitsgruppen des Missionsärztlichen Instituts arbeiten ebenfalls eng mit den Tropenmedizinern der Klinik zusammen: Hierzu zählen das Appro(priate) Tech(nology)-Projekt, das in den 70er Jahren in Zusammenarbeit mit der Universität Heidelberg gegründet wurde und versucht, für die Bedingungen eines Entwicklungslandes Techniken zu entwickeln, die seit 1987 bestehende AG AIDS, ferner das in Zusammenarbeit mit der Caritas betreute Projekt "Zusammenarbeit in Not- und Katastrophen" sowie die Arbeitsgruppe "Tropen- und Seuchenmedizin", die heute im "Armauer-Hansen-Institut" untergebracht ist.
 
Andreas Mettenleiter



Dr. med. Hanna Davis-Ziegler
"Wir waren wie eine große Familie"

Volksblatt Würzburg 22.05.2002 

Die Ärztin Hanna Davis-Ziegler wirkte 54 Jahre in Afrika - Drei Kliniken aufgebaut

Text u. Foto: Andreas Mettenleiter
Würzburg. "Die schicke Bluse? Die stammt von Marks & Spencer; habe ich letzte Woche in London gekauft", sagt Hanna Davis-Ziegler und freut sich über das Kompliment. Die 84 Jahre, davon 54 Jahre in Afrika, sieht man der resoluten alten Dame nicht an: eine echte "Lady", humorvoll, unprätentiös und manchmal von entwaffnender Direktheit.

"Wissen Sie, heute fragt Sie jeder, von welcher Organisation oder von welchem Orden Sie kommen. Aber was die Laien für den Gesundheitsdienst in Afrika geleistet haben, das wird völlig unterschätzt!" Dr. Davis-Ziegler muss es wissen: Seit 1948, als sie an ein Hospital in Fatima kam, hat sie gemeinsam mit ihren Kolleginnen drei Krankenhäuser in Simbabwe aufgebaut: 1950 St. Luke an der großen Landstraße zu den Victoria Fällen, 1960 St. Paul's im Norden der Bischofsstadt und 1964 St. Anne's Brunapeg im Süden des Landes.

Damals war vieles einfacher und unbürokratischer, von der Beantragung von Geldern bis hin zur Entscheidung über nötige Baumaßnahmen. Mit dem Landrover wurden die Patienten besucht und Kontakt mit den übrigen Krankenhäusern gehalten. Einheimische "Nurses" sorgten für die Verständigung. In schweren Fällen wurden die Patienten ins staatliche Krankenhaus in der Distrikthauptstadt Bulawayo eingewiesen.

"Wir waren wie eine große Familie. Was haben wir mit den Kolleginnen gealbert und Spaß gehabt", erinnert sich die Missionsärztin an die Pionierjahre in Simbabwe. "Powerfrauen" würde man die vier abenteuerlustigen Medizinerinnen heute nennen, die sich mit Wagemut und Gottvertrauen auf das Unternehmen "Missionsmedizin" einließen. Umso härter traf es die "Missionsfamilie", als ihre Kollegin Hannah Decker 1977 von einem betrunkenen Freischärler der Rebellenarmee erschossen wurde.

Wie kommt man auf die Idee, Missionsärztin zu werden? Dr. Davis-Ziegler nahm schon als Oberschülerin an den Sommercamps der Organisation "Missionskreuz Studierende Jugend" teil, auf denen sie Gleichgesinnte traf. Einige der Mädchen traf sie in Würzburg wieder, als sie in das Missionsärztliche Institut eintrat, den Missionseid ablegte und Medizin studierte. Drei dieser Studienfreundinnen kamen dann später auch nach Afrika, um die ehemalige Kommilitonin bei ihrer Tätigkeit in Rhodesien, dem heutigen Simbabwe, zu unterstützen.

Die Studienzeit war entbehrungsreich, aber das Ziel ließ Hanna Davis-Ziegler Mühen und Schwierigkeiten vergessen. "Ich wollte immer Missionsärztin werden. Nur deshalb habe ich Medizin studiert", bekennt die alte Dame heute. Um der Arbeitertochter das Studium zu ermöglichen, legten Freunde und Verwandte zusammen. 1943 war es geschafft: Die junge Medizinerin bestand das Staatsexamen. Damals war freilich an einen Missionseinsatz nicht zu denken: Deutschland befand sich im Krieg. Die frisch gebackene Frau Doktor wurde von der Universität weg notdienstverpflichtet und einem Amtsarzt zugeteilt. "Dort habe ich für meine spätere Tätigkeit enorm viel gelernt", urteilt sie rückblickend. "Kinderreihenimpfungen, Gesundheitsaufklärung, Prävention, all das konnte ich in Afrika gut gebrauchen."

1947 ging Hanna Davis-Ziegler nach England, "sonst hätte ich mich niederlassen müssen, und dann hätte ich den Absprung nicht mehr geschafft". 1948 begann dann ihr Einsatz in Rhodesien. Heute lebt die Ärztin als Pensionärin in Bulawayo.

Schlangen, Spinnen, Skorpione? Ist das nicht abschreckend für eine Frau? "Wissen Sie, da muss man eben Schuhe tragen", sagt die Doktorin augenzwinkernd. Was sie in Afrika am meisten beeindruckt hat? Die Natürlichkeit, Fröhlichkeit und die große Ehrlichkeit der Einheimischen. Sprachbarrieren gab es nie.

"Warum bist Du so traurig?", wurde Dr. Davis-Ziegler bei der Visite von zwei alten, unheilbar krebskranker Männer gefragt. "Weil ich Euch nicht wirklich helfen kann." "Da brauchst Du nicht traurig zu sein. Wir gehen in unseren Himmel", wurde die weiße Ärztin getröstet.

Nach mehr als einem halben Jahrhundert Tätigkeit in Afrika beurteilt die Missionsärztin den Medizinbetrieb in Deutschland kritisch: Viel zu viele unnötige Laboruntersuchungen und viel zu wenig Zeit, um den Patienten zuzuhören und um mit ihnen zu reden.

 
Am 10. Mai 2002 war
P. Barnabas Stephan CMM
30 Jahre Priester

"Stelle Dein Leben unter das Geheimnis des Kreuzes!"
        

Vor genau 30 Jahren gab der heutige Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt diese Worte Pater Barnabas mit auf den Weg bei seiner Priesterweihe.
Außerdem solle er sich die "Liebe zu Christus, zur Kirche und zur Mission bewahren." In seiner kleinen Einführung bei dem Dankgottesdienst in der Kapelle der Missionsärztlichen Klinik blickte Pater Barnabas dankbar zurück auf seinen Weihetag vor 30 Jahren und auf die vielen  Begegnungen mit Menschen.      

"I will follow him", ein Lieblingslied von Pater Barnabas wurde im Gottesdienst gesungen. Es sollte ihn beflügeln, seinen Weg weiterzugehen und IHM zu folgen. Nach 25 Jahren Jugendarbeit ist Pater Barnabas jetzt schon fast 10 Jahre in der Krankenhausseelsorge tätig.    
Zum Schluss des Gottesdienstes bat Pater Barnabas um Gebet für alle Priester und Seelsorger, gerade auch deshalb, weil umgekehrt von ihnen Gebet und Beistand erwartet wird. Die Kraft dazu kommt nicht von ihnen allein. Auch ein Priester braucht Beter!    

Karl Störlein und André Breidohr